Ab
morgen gibt es die offizielle Beta vom neuen Windows 7 für Jedermann zum Download. Freundlicherweise wurde uns die Software durch die Piratenbucht zu Testzwecken bereits einige Tage vorher bereitgestellt.

Das ISO-Image mit 2,4 Gbyte flutschte übrigens angenehm schnell mit 2+ MByte/sec durch die Leitung - mal schauen ob die Microsoft- und Akamai-Mirrors das morgen auch hergeben.

Als Testobjekt musste in Ermangelung eines unbenutzten Desktop-PC's ein 1 HE-Server herhalten, der wie folgt ausgestattet war: Dual-Dualcore Opteron 2216, 4 Gbyte RAM, 3Ware-8000 SATA-RAID-Controller und OnBoard-Grafik. Die Installation von der bootfähigen DVD war kein Problem, außer dass anfangs keine Platten erkannt worden. Windows7 hat, wie alle anderen Versionen zuvor leider auch, unergründlicherweise keine Treiber für 3Ware-Controller an Bord. Mit den "Beta"-Treibern für Vista von der
3Ware-Homepage wurden die Platten dann aber problemlos erkannt, so dass der Installation auf dem vorher konfigurierten RAID1 problemlos durchgeführt werden konnte. Die Treiber konnten übrigens komfortabel via USB-Stick während der Installation eingebunden werden - dafür ein Lob. Bis auf die Partitionierung sowie Sprach- und Keyboardeinstellungen läuft das Setup komplett ohne Zutun des Nutzers ab. Nach ca. 15 Minuten war es dann auch fertig und Windows7 erwartetete mich fertig gebootet. Wie auf dem Screen zu sehen ist, sind nach der Default-Installation bereits 10,7 Gbyte auf C: belegt - wofür auch immer. Ansonsten erwartet einen ein aufgeräumter Desktop, der mit Gadgets individualisiert werden kann. Ähnlich wie bei der Sidebar in Vista eben. Generell ist Windows7 ein neueres, vielleicht auch besseres Vista, aber keinesfalls ein "echtes, neues" Windows.

Positiv aufgefallen ist mir sofort die Geschwindigkeit, mit der Programme sowie der Explorer sich öffnen. Ob dies nun an Windows7 oder der recht potenten Server-Hardware liegt, kann ich allerdings nicht genau sagen. Da es sich bei der Beta um die Ultimate-Edition handelt, werden auch brav alle 4 Cores genutzt. Allerdings nur 3 GByte von den 4 Gbyte RAM - 32 bit halt. In der Bedienung fällt vor Allem die "neue" Taskleiste auf. Diese sieht aus wie bei KDE oder OSX und stellt default die offenen Programme nicht wie von 98/XP/Vista gewohnt mit Namen und Icon dar, sondern nur mit einem vergrößerten Icon. Außerdem werden gleiche Programme, wie bereits von XP/Vista bekannt, gruppiert - und zwar standardmäßig immer. Nach einiger Zeit mit dem System erschien mir das auch nicht mehr störend, sondern sogar hilfreich. Auch die Icons von im Hintergund laufenden Programmen (Antivirus, Firewall usw.) werden nun nicht mehr dauerhaft sichtbar unten rechts in der Taskleiste angezeigt, sondern erst nach einem Klick auf den Pfeil neben dem Button für die Spracheinstellungen. Gewöhnungsbedürftig, aber im Grunde auch konsequent.

Im Leistungstest schnitt unser Testsystem mit der schlechtesten Note, also der 1, ab. Das ist im Grunde Schwachsinn, denn bis auf die Grafikkarte ist dieses System durchaus als schnell zu bezeichnen. Da aber der schlechteste Wert als "Base Score" verwendet wird, erscheint das System auf den ersten Blick völlig unbrauchbar für dieses neue Windows. Auf den grafischen Fireganz musste ich bei den Tests in der Tat verzichten - ob das vlt. auch der Grund ist, warum mir das System so schnell vorkommt? Das wird wohl erst ein weiterer (Dauer-?)Test auf normaler Grafikhardware mit aktivierten Grafikspielereien zeigen.

Die Änderungen am System selbst halten sich gegenüber Vista sehr in Grenzen oder ich habe sie einfach nicht gefunden. Ein einstündiger Test kann natürlich keine echten Praxiserfahrungen nachahmen, für einen groben Eindruck hat es aber sicher gereicht. Die gravierendste Änderung ist mir übrigens - man mag es kaum glauben - an Paint aufgefallen.

Dort gibts jetzt eine Vielzahl von (neuen?) Optionen bzw. es wirkt generell komplett überholt. Da ich aber normalerweise GIMP benutze, kann ich leider nur wenig an Paint-Insiderwissen weitergeben. In gewisser Weise finde ich es sogar erheiternd, dass dieses (imho nutzlose) Programm die subjektiv größten Änderungen erfahren hat.

Abgesehen natürlich vom Internet Explorer 8 (beta natürlich). Der hat offenbar jede Menge Änderungen erfahren, z.B. eine neue "private"-Funktion zum schmerzfreien surfen am Arbeitsplatz usw. Auch hier muss ich allerdings zugeben, dass ich den IE seit der Version 5 nicht mehr benutze und somit kaum beurteilen kann, ob und warum er "besser" ist als die Version 7. Im ACID3-Test schafft er zumindest nur 21 Punkte (erst warens nur 12, nach ca. 2 Minuten kletterte es dann unter enormer CPU-Last auf 21) und liegt damit
weit abgeschlagen hinter den NextGen-Browsern der anderen Hersteller (Firefox 3.1, Opera 10 oder Safari 3.x). Im Screenshot ist hier schön zu sehen, dass nun jedes offene Tab einen eigenen Prozess bildet. Somit sollte nicht gleich der ganze Browser crashen, wenn in einem Tab beispielsweise ein wildgewordenes JavaScript abläuft. Das können die anderen NextGen-Browser aber auch alle, Google's Chrome hat es gar bereits implementiert.

Ganz nett sind zugegebenermaßen die Inline-Suchen der marktierten Wörter aus einer Website sowie die neuerlichen Sicherheitsfunktionen. Auch bietet die browserintegrierte Suche auch im IE endlich Suggest-Funktionalität nach
OpenSearch-Spezifikation an (wie Firefox seit der 2.0) - sogar mit Bildern. Ob das aber Argumente beispielsweise gegen einen Firefox sind, würde ich spontan bezweifeln. Generell wird abzuwarten sein, wie schnell/oft es Sicherheitsprobleme beim IE 8 gibt und wie schnell diese behoben werden. Dass sich an den ACID-Ergebnissen noch was bis zur finalen Version ändert, wäre ebenfalls wünschenswert. Sonst wird die Webentwicklung optimiert für IE 8 wieder zu einem Krampf.
Ansonsten scheint Windows7 bisher nicht direkt schlecht zu sein, es machte in meinen Tests einen recht flüssigen und aufgeräumten Eindruck. Ein Wechsel von Linux zurück zu Windows kommt deswegen freilich noch lange nicht in Betracht. Selbst ein Upgrade von Vista auf Windows7 macht nach bisherigem Erfahrungsstand keinen wirklichen Sinn. Eventuell wird es für Gamer mal nötig sein, wenn eine neue DirectX-Version exclusiv dafür rauskommt, wie es schon bei XP->Vista der Fall war. Auch ein Wechsel von Firefox, Opera oder Safari zum IE 8 scheint eher nicht sinnvoll zu sein. Aber wir wollen mal gespannt auf die Final von Windows7 und auch dem IE 8 warten und dann erneut urteilen ... weitere Erfahrungen, besonders im Zusammenhang mit Games und Killer-Applikationen (Photoshop usw.) unter "Win7" wären auch noch interessant. Vielleicht kann da der eine oder andere Leser was dazu sagen? Und warum das Ding nun ausgerechnet Windows
7 heisst, wüsste ich auch gern. Ich zähle deutlich mehr Versionen. Oder sind nur die "Meilensteine der PC-Geschichte" wie 3.1, NT 4.0, 95, 2000, XP und Vista von Microsoft als Vorgänger gemeint? Who knows ...