Da ich seit gestern LPIC-1 zertifiziert bin (Co-Autor Maddin war es bereits seit einer Weile..), möchte ich mal ein paar Worte dazu hier verlieren. Während die Microsoft-Jünger aus dutzenden Schulungen (aka Gehirnwäschen bzw. Werbeveranstaltungen) wählen können, sieht es für Linux eher mau aus. Zwar bieten Suse und RedHat eigene Zertifizierungen an, die Beschränken sich dann aber tatsächlich nur die jeweilige Distrubution und sind nicht allgemein anerkannt.
Dafür wurde
LPI gegründet und wird u.A. von IBM subventioniert. Derzeit gibt es 3 Stufen, die man als Administrator (für Entwickler etc. werden keine Zertifizierungen angeboten) erreichen kann: LPIC-1, LPIC-2 und LPIC-3. Die ausgestellten Zertifkate sind weltweit anerkannt, so dass man als Bewerber um einen Posten als Linux-Admin mit einer oder mehreren LPIC-Stufen unter Umständen (!) bessere Karten hat. Garantie gibt es dafür freilich keine. Bei LPIC-1 geht es um Grundlagen der Administration eines Linux-Rechners wie z.B. die Shell, Bootloader und Installation. LPIC-2 geht dann schon etwas mehr ans Eingemachte wie Serverdienste, Kernel oder Hardware. In der 3 (die es wohl in Deutschland noch gar nicht so richtig gibt, soweit ich informiert bin..) dann um Sicherheit oder Virtualisierung.
Auch wenn das auf den ersten Blick für einen Admin, der seit Jahren mit Linux arbeitet, einfach aussieht: Man sollte die Prüfungen nicht unterschätzen. Ich kann jetzt nur für LPIC-1 sprechen, aber mir sind auch einige Sachen begegnet, wo ich Lücken hatte. Zum Beispiel beim Thema X11 oder Drucker musste ich mir Vieles noch aneignen, da sie in meiner täglichen Arbeit als Server-Admin nie begegnet sind. Auch
sed oder
awk hatte ich noch nie groß benutzt, schließlich gibt es ja PERL. Fragen zu diesen Themen sind aber nunmal Bestandteile bei der LPIC-1 Prüfung, so dass man diese lernen muss.
Zur Übung hat sicher der Simulator auf lpi-academy.de als nützliches
Tool erwiesen. Aber Vorsicht, die Fragen sind derzeit nicht auf dem neuesten Stand der Prüfung. Als Buch kann ich auf jeden Fall die LPIC-Reihe von
Heinlein empfehlen, ebenso die Materialien von der
Linup Front GmbH. Natürlich sollte man idealerweise noch einen entsprechenden Kurs in einem Trainings-Center belegen, um das Wissen aufzufrischen. Bei mir fand der Kurs im Com-Center Dresden statt und war mit Dozenten wie
Heiko Schlittermann (bekannt u.A. aus der
Linux-User-Group Dresden) recht informativ und hilfreich für die Prüfung.
Ohne entsprechenden Kurs und Erfahrungen mit Linux wird man die Prüfung allerdings wohl kaum bestehen. Es wird, im Gegensatz zu den MS-Zertifizierungen, nicht das auswendig lernen von Fakten abgefragt, sondern die Erfahrungen aus der Praxis im Umgang mit Linux. Dabei spielt die Distribution übrigens keine Rolle, es wird z.B. beim Paket-Management auf alle "Welten" wie Debian, Fedora oder RedHat eingegangen, was auf jeden Fall gut ist. Ich habe bereits in der Schulung gemerkt, dass die Teilnehmer ohne Vorkenntnisse zum Thema Linux echte Probleme hatten, dem Stoff zu folgen. Einige meinten auch, sie werden die Prüfung gar nicht erst ablegen, sondern es bei dem Kurs belassen, da keine Aussicht auf Bestehen der Prüfung besteht. Das ist natürlich schade, aber zeigt deutlich, dass die Anforderungen nicht zu gering sind und man sich als Inhaber des Zertifikates ein wenig freuen darf!
Selbst ich als "alter Hase", der seit vielen Jahren mit Linux beruflich als auch privat arbeitet habe bei den LPIC-Schulungen noch einige neue Dinge und Kniffe kennengelernt, kann die Zertifizierung daher eigentlich durchaus empfehlen. Allerdings ist der "Spaß" natürlich nicht ganz billig. Derzeit fördert aber das Arbeitsamt für berufstätige Admins, die länger als 4 Jahre im Job sind, die LPIC-1 und LPIC-2 Schulungen. Weitere Informationen dazu gibts
hier. Wenn man also, wie ich, die Vorgaben des Amts erfüllt und einen Arbeitgeber hat, der die Zeiten dafür freiräumt, sollte man sich die Chance auf mehrere Tausende Euro Förderung für die Schulung(en) nicht entgehen lassen..