Friday, 7. May 2010
Heute einmal ein Gastbeitrag von Martin Pohl. Er hatte das Vergnügen, den mir im Rahmen des "Lenovo Blogger Advisory Council" als Testgerät zur Verfügung gestellten Lenovo X200 Tablet (ich berichtete bereits) ausgiebig zu testen. Als Ingenieur war er dafür ideal geeignet. Aber lest selbst:
Vor etwa einem halbem Jahr bekam ich ein Lenovo x200 tablet zum ausgiebigem Test zur Verfügung gestellt. Ich bin Entwicklungsingenieur und arbeite daher häufig mit Skizzen und handschriftlichen Notizen zu Konstruktionen und Berechnungen. Weiterhin versuche ich mich an der Umsetzung des papierlosen Büros. Daher ist ein Tablet-PC für mich grundsätzlich das optimale Werkzeug. Ob es das Mitschreiben in einer Besprechung ist oder das Notieren von Daten an einem Prüfstand während eines Versuchs oder die sofortige Verfügbarkeit von Fachliteratur und Tabellenwerken ist, ein Tablet bietet mir all diese Möglichkeiten. Im Privaten finde ich es als Urlaubsbegleiter sinnvoll um Bücher zu lesen, Tagebuch zu schreiben, Musik fürs Autoradio bereitzustellen oder die Urlaubsfotos von der Speicherkarte zu sichern. Ich stehe dieser Geräteklasse also grundsätzlich positiv gegenüber.
Im allgemeinen gab es aber immer wieder die gleichen Probleme bei Geräten, die am Markt verfügbar waren. Zum einen der recht hohe Preis, die mich häufig auf preiswertere gebrauchte Geräe ausweichen liessen und zum anderen die immer noch auftretenden Unzulänglichkeiten wie vor allem die zu geringe Akku-Kapazität, Schwierigkeiten mit den Displays bezüglich Sonneneinstrahlung und Blickwinkelabhängigkeit. CPU-Performance und Speicherkapazität der Festplatten ist für normale Anwendungen von Tablet-PC's zunehmend kein Problem mehr. Ein absolutes Manko bleibt nach wie vor das Handling und die Bedinung der GUI. Hier gibt es in einigen Programmen bereits Verbesserungen (Inkscape, Sketchbook pro) aber noch immer sind die Geräte nicht sinnvoll mit Finger bzw. Stift zu bedienen weil Buttons zu klein sind und der User in der normalen Benutzung mit Konfigurationsmöglichkeiten und Setup-Einstellungen belästigt wird. Doch das alles ist weniger ein Problem der Hardware sondern eher der Software und vor allem dem Betriebssystem geschuldet. Hier gibt es bereits Ansätze mit
Betriebssystemen von Smartphones doch von Perfektion sind diese auch noch entfernt. Einzig Apple mit seinem iPad verfolgt mal wieder einen schlüssigen Weg mit ausreichend performantem Gerät und intuitiv bedienbarer GUI. Ein absolutes Manko ist meiner Meinung allerdings der fehlende Stift, auch wenn das Steve ungern hört. Sicher, für ein Consumer-Gerät ist er verschmerzbar, jedoch in meinem Geschäft benötige ich ihn nunmal, da es mir bisher z.B. noch nicht gelungen ist in einer Schnittdarstellung einer technischen Skizze eine Schraffur im Abstand von ca. 2 mm mit dem Finger zu zeichnen. Wenn mir das einer zeigt, kauf ich mir ein iPad 
Soweit ein kleiner Abriss zum allgemeinen Stand der Dinge, nun stürzen wir uns aufs Gerät:
Der x200 Tablet ist von Abmessungen und Gewicht vergleichbar mit anderen convertible-Geräten auf dem Markt wie z.B. Geräte von DELL und HP. Wäre er ein klein wenig dünner und leichte wäre es angenehmer für die Nutzung als Lesegerät oder als Notizblock auf dem Arm.. Die Oberfläche fühlt sich gummiert an und ist recht griffig. Der Klappmechanismus macht einen stabilen Eindruck und auch nach einem halben Jahr täglichen Gebrauchs sind hier keine Mängel festzustellen. Durchdacht ist der Rasthaken, der das Display im geschlossenen Zustand und auch im Zustand mit nach oben gedrehten Bildschirm fixieren kann. Die vorhandenen Anschlüsse sind branchenüblicher Standard, einzig das noch vorhandene Modem fällt mir positiv auf, da man auch heute immer noch die Bitte hört "können sie mir das nicht als Fax schicken?". Die Positionierung der Anschlüsse ist zum Teil ungünstig, der Anschluss fürs Modem auf der rechten Seite (Mausseite) ist dort störend. Die Tastatur ist sehr gut und aud den Fingerprintsensor habe ich lieben gelernt. Die Bedienung des Trackpoints war für mich schon immer etwas gewöhnungsbedürftig aber mittlerweile geht es ganz gut. Im Tablet-Modus mit nach oben gedrehtem Display fehlen einem schon ein paar Hardwaretsten wie "Enter", "Esc" und ein paar Pfeiltasten zum navigieren in Anwendungen. Das sollte man zwar eigentlich auch mit dem eingebauten Touchscreen machen können, nur in manchen Anwendungen (Vollbild im Acrobat Reader) funktioniert es nicht. So kann man zwar ein ebook auswählen in die gewünschte Orientierung (hochkant oder quer) drehen und den Vollbildmodus aktivieren doch dann geht weder umblätter noch hat man die Möglichkeit den Vollbildmodus wieder zu verlassen. Dafür muss man dann das Display hochklappen und nach der
"Esc"-Taste fingern. Es ist genauso umständlich wie es sich liest. Doch das ist kein Problem des Gerätes sondern meiner Meinung nach wieder die unzureichend umgesetze Software. Trotzdem wären ein paar Hardware-Tasten am Displayrand sinnvoll. Das scheint Lenovo auch erkannt zu haben, denn der Nachfolger (x201 tablet) hat ein Steuerkreuz am unteren Bildschrimrand. Das Display selbst ist zu dunkel und die Blickwinkelabhängigkeit zu groß. Der Akku ist mit 2,5 Stunden Laufzeit zu knapp bemessen, so hält man kein Meeting sicher ohne Akku durch. Das fehlende DVD-Laufwerk habe ich nicht vermisst, man benötigt es mittlerweile doch recht selten und wenn es doch sein
muss ist ein externes Gerät mit USB-Anschluss eine gute Alternative zu einem eingebauten Laufwerk. Der Digitizer liegt gut in der Hand und hat eine "Radierspitze" wie ein Bleistift und eine Taste, die man gedrückt halten muss um einen "rechtsklick" zu ermöglichen. Zum "Radieren" hat sich meiner Meinung nach das Wenden des Stiftes nicht bewährt, z.B. das Drücken einer zweiten Taste am vorderen Bereich des Stiftes ist ergonomischer, wie es z.B. bei den Stiften von Fujitsu der Fall ist. Die Kamera im Displayrand lässt sich zwar sicher gut für Videotelefonate nutzen, ich habe so etwas allerdings noch nicht gemacht. Sinnvoller fände ich eine Kamera auf der Rückseite des Gerätes um aus dem Notizprogramm heraus (z.B. OneNote) ein Foto machen zu können um es gleich einzufügen und mit ein paar Komentaren zu versehen. Nicht unerheblich ist allerdings die Gefahr das man sein Gerät am Werkstor von z.B. Automobilherstellern wegen der Kamera abgeben muss. Doch auch hier tut sich was. In manchen Werken gibt es bereits die Möglickeit ein Siegel aufs Objektiv kleben zu lassen und man kann sein Tablet mit ins Meeting nehmen.
Die allgemeine Performance und die Speicherkapazität ist mehr als ausreichend für alle Sachen die man mit einem Tablet machen möchte, also Internet, Office, Skizzieren, Lesen und Musik hören. Auch das Abspielen eines Films bringt das Gerät nicht aus der Puste. Überhaupt ist das x200 wegen nicht vorhandenem Lüfter schön leise.
Zusammenfassend kann man das Gerät als mäßig gut bezeichnen. Die Performance ist gut, der kurzläufige Akku und das zu dunkle Display disqualifizieren das x200 für den Ausseneinsatz. Mangelnde Bedientasten am Bildschirmrand machen die Bedienung im Tablet.Modus schwieriger. Doch als Hauptproblem kristallisiert sich mehr und mehr die mangelhafte GUI heraus, die dieser Geräteklasse den zu erwartenden Erfolg vermiest. Hier sollten die Hardwarehersteller entweder den Software- und Betriebssystemanbietern auf die Füße treten oder selbst durchdachte Oberflächen z.B. im Stil des MediaCenters von Win XP entwickeln. Das da tolle Konzepte möglich sind beweist Apple mit dem iPad und auch Microsoft mit seiner "Courier" Studie (mittlerweile ja wieder eingestellt).
An dieser Stelle vielen Dank an Martin für den interessanten Testbericht. Über Kommentare freuen wir uns, ebenso wie der Verfasser, natürlich jederzeit.
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Aufgenommen: May 08, 16:31